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Die Aufgabe, einen Tempel in Rigpas Haupt-Retreat-Zentrum zu bauen, stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen, doch das Ergebnis ist beeindruckend.
Seit seiner Eröffnung im Sommer 2006 wurde viel über den Tempel in Lerab Ling berichtet: von den Tausenden von Besuchern, die an den sonntäglichen Touren teilgenommen haben, den tibetischen Meistern, die im Tempel buddhistische Belehrungen gegeben haben, und von Sogyal Rinpoches vielen Schülern, für die der Tempel in den letzten Jahren ein Teil ihres Alltags geworden ist.
Ein Wort, das dabei immer wieder erwähnt wird, ist „Wunder“. Auch Professor Samdhong Rinpoche, der Premierminister der tibetischen Exilregierung, benutzte es, als er der Eröffnung des Tempels beiwohnte, genau wie S.H. Sakya Trizin, der Leiter der Sakya-Schule des tibetischen Buddhismus, als dieser Lerab Ling im Jahr darauf besuchte.
Ein Wunder war es wohl auch, was sich die Projektleiter herbeisehnten, als sie 2003 mit der Arbeit begannen. Seit 1991, als Rigpa das Gelände im südfranzösischen Languedoc in der Nähe von Roqueredonde erwarb, war es Sogyal Rinpoches Wunsch gewesen, ein Zentrum zu errichten, dass den enormen Schatz an Lehren der buddhistischen Tradition Tibets so weitgehend wie möglich zugänglich zu machen. Integraler Bestandteil dieses Bestrebens war die Errichtung eines Tempels.
Der Bauantrag, der Anfang 2002 bei den französischen Behörden eingereicht wurde, sah einen dreistöckigen Tempel im Stil eines traditionellen tibetischen Klosters vor, mit einem Fassungsvermögen von über tausend Menschen. Die Bauarbeiten begannen im November 2003 und fanden im Juli 2006 mit der Eröffnung des Instituts der Weisheit und des Mitgefühls ihren Abschluss, gerade rechtzeitig für den Beginn von Rigpas Drei-Jahres-Retreat, das zurzeit unter Sogyal Rinpoches Anleitung stattfindet und 2009 zu Ende gehen wird.
In jeder Bauphase wurde genauestens aufs Detail geachtet, sowohl von den tibetischen Meistern, die für die Standortbestimmung und Bauweise zu Rate gezogen wurden, wie den Sachbearbeitern, die die Pläne in einer öffentlichen Untersuchung überprüften, als auch den beauftragten Baufirmen, die auf dem Gelände arbeiteten.
Das Bauprojekt stellte alle Beteiligten vor ungeahnte Herausforderungen. Authentische Prinzipien der tibetisch-buddhistischen Tradition sollten mit den besten und angemessensten modernen Techniken verbunden werden, und ein Team versierter Künstler und Kunsthandwerker aus den tibetischen Gemeinden in Indien, Nepal und Bhutan musste zusammengestellt werden, um den Tempel innen wie außen zu verzieren und fertig zu stellen. Der abgelegene Standort und die unvorhersehbaren Wetterbedingungen machten die Aufgabe nicht unbedingt leichter.
Im gesamten Verlauf wurde großer Wert darauf gelegt, die Authentizität der spirituellen Traditionen, die der Ausgangspunkt und die Inspiration des Projekts waren, zu respektieren. Eine Anzahl bedeutender tibetischer Lehrer und Gelehrte wurden zurate gezogen, darunter Seine Heiligkeit Sakya Trizin, Kyabje Penor Rinpoche, Kyabje Dodrupchen Rinpoche, Kyabje Trulshik Rinpoche, Seine Eminenz Dzogchen Rinpoche, Khenchen Pema Tsewang und Orgyen Tobgyal Rinpoche. Trulshik Rinpoche stand uns großzügerweise die ganze Zeit über für Anleitung und Rat zur Verfügung; er besuchte Lerab Ling 2003, um den Standort des Tempels zu segnen, und kehrte 2005 zurück, um Belehrungen und Ermächtigungen zu geben – das erste größere Ereignis im neuen Gebäude.
Jede Einzelheit des Tempels basiert auf den besten Beispielen tibetischer Klöster des Himalaya. Die Bauform des Tempels war ursprünglich angeregt vom Rumtek-Kloster in Sikkim in Nordindien, unter Einbezug weiterer Studien von Klöstern in Indien, Nepal und Tibet. So wurden beispielsweise die Dächer nach dem Vorbild des Potala-Palasts und des Tashi Lhunpo-Klosters in Tibet erbaut.
Als Ergebnis entstand eines der wohl authentischsten Beispiele der tibetisch-buddhistischen Architektur im Westen, vielleicht sogar der gesamten tibetischen Exilgemeinden, einschließlich derer in Indien.
Gleichzeitig besitzt der Tempel einige innovative, moderne Elemente, die in traditionellen Klosteranlagen nicht zu finden sind. Auf Anregung von Sogyal Rinpoche und dem Architekten wurden raumhohe, spiegelverglaste Panoramafenster im Erdgeschoss eingebaut, die den Blick auf die landschaftliche Umgebung freigeben, sowie eine Glaspyramide über dem Hauptschrein, die Licht auf das Prunkstück des Tempels, die herrliche sieben Meter hohe Statue des Buddha Shakyamuni, fallen lässt.
Sogyal Rinpoche begleitete den gesamten Prozess und gab dem Projekt immer wieder neue Impulse, und seine Mutter Mayum Tsering Wangmo versorgte die Bauarbeiter konstant mit Ermutigung und Unterstützung. Mayum-la wohnte im Laufe ihres Lebens in Tibet der Errichtung von achtzehn Klöstern und Tempeln bei, da ihre Familie, die Lakkar-Familie, in Tibet mehr als sieben Jahrhunderte lang große Wohltäter der buddhistischen Lehren waren. Ein Foto mit Mayum-la, die den Aufbau der ersten Säule des Tempels in Lerab Ling ehrt, blieb allen als Bild für das Projekt noch lang in Erinnerung.
Ein weiterer Experte, der in fast allen wichtigen Etappen eine wesentliche Rolle spielte, war Orgyen Tobgyal Rinpoche. Er war es auch, der neben Khenchen Pema Tsewang 1998 den genauen Standort des Tempels bestimmte. Er führte auch eine Zeremonie durch, um das Gelände vor dem Baubeginn zu segnen, und war dabei behilflich, eine Gruppe von burmesischen Kunsthandwerkern zusammenzustellen, um die zentrale Buddhastatue zu erbauen.
Zur Zeit der chinesischen Okkupation Tibets und der nachfolgenden „Kulturrevolution“ wurden fast sämtliche Klöster, Büchereien und Studienzentren Tibets dem Erdboden gleichgemacht, in einer beispiellosen Welle der Gewalt und Zerstörung. Von den sechstausend Klöstern, die einst in Tibet ihre Blütezeit erlebten, blieben nur zwölf intakt. Angesichts dessen haben Seine Heiligkeit der Dalai Lama, Samdhong Rinpoche und viele weitere Meister angemerkt, dass der Tempel und Zentren wie Lerab Ling eine entscheidende Rolle darin spielen können, die in ihrer Heimat so bedrohten spirituellen Traditionen des tibetischen Buddhismus samt seiner einzigartigen Kunst und Kultur zu bewahren.
Der Bau des Tempels konnte nur aufgrund der unglaublichen Großzügigkeit vieler Beteiligter durchgeführt werden. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf acht Millionen Euro, die allein durch Spenden von Rigpa-Freunden und -Schülern beglichen wurden. Die Notwendigkeit, die nötigen Mittel aufzubringen, löste einen Vielfalt von Ideen und eine bunte Palette an Benefizveranstaltungen und -Aktivitäten aus, darunter eine lebhafte und unvergessliche Auktion im August 2003 in Lerab Ling, in Anwesenheit von Sogyal Rinpoche und Dzongsar Khyentse Rinpoche.
Am Ende kam ein Gebäude dabei heraus, das von vielen tibetischen Lamas, Dharma-Schülern und Besuchern gleichermaßen Bewunderung genießt. Seit der Tempel seine Türen der Öffentlichkeit geöffnet hat, sind über zwanzigtausend Menschen nach Lerab Ling gereist, um in einem abgelegenen Tal in Südfrankreich einen makellosen Tempel zu bestaunen, der sich genauso gut in einer Himalaya-Landschaft befinden könnte.
„Ich freue mich sehr zu sehen, wie dieser Tempel entstanden ist, wie ein Wunder, und feststellen zu können, dass ihr selbst in einem westlichen Land wie diesem imstande ward, alle architektonischen Einzelheiten in Übereinstimmung mit der tibetischen Tradition zu errichten… Ich habe viele große Tempel, Häuser und Klöster gesehen. Auf den ersten Blick mögen sie sehr imposant und elegant erscheinen, doch es ist sehr schwierig, die minutiösen Details, die in buddhistischen texten beschrieben werden, in Beton und Zement umzusetzen. Genau deshalb ist dieser Tempel so besonders. Wie ich bemerkt habe, ist alles, von innen wie außen betrachtet, genau so proportioniert und gestaltet, wie es in den Texten dargelegt ist. Dieser Tempel wird also einen großen Beitrag dazu leisten, das spirituelle und kulturelle Erbe des Buddhismus und Tibets zu bewahren.“
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