| Mitgefühl: Das Wunsch erfüllende Juwel |
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Aus dem Tibetischen Buch vom Leben und vom Sterben von Sogyal Rinpoche Wir alle spüren und wissen etwas vom Nutzen des Mitgefühls. Aber die besondere Kraft der buddhistischen Lehren liegt darin, dass sie uns sozusagen eine klare „Logik“ des Mitgefühls vermitteln. Haben wir sie einmal begriffen, macht diese Logik unsere Mitgefühls-Praxis augenblicklich dringlicher und umfassender, stabiler und geerdeter, weil sie auf der Klarheit vernünftiger Beweisführung aufbaut, deren Wahrheit immer deutlicher wird, je mehr wir sie anwenden und auf die Probe stellen. Wir mögen behaupten, dass Mitgefühl eine wunderbare Sache sei, und es zum Teil sogar glauben, aber in der Praxis sind unsere Handlungen zutiefst mitleidslos und bringen uns und anderen hauptsächlich Frustration und Verzweiflung und nicht das Glück, nach dem wir alle suchen. Ist es nicht absurd, daß wir uns zwar alle nach Glück sehnen, fast all unsere Handlungen und Gefühle aber direkt von diesem Glück wegführen? Was könnte deutlicher darauf hinweisen, dass unsere ganze Vorstellung von Glück und wie es zu erreichen wäre grundlegend falsch ist? Um zu erkennen, was ich „Weisheit des Mitgefühls“ nenne, müssen wir mit vollkommener Klarheit sowohl den Nutzen einer altruistischen Einstellung sehen, als auch den Schaden, den die gegenteilige Geisteshaltung uns angetan hat. Wir müssen klar und eindeutig zwischen dem Eigeninteresse unseres Ego und unseren letztendlichen Interessen unterscheiden; weil wir Ersteres ständig mit dem Letzteren verwechselt haben, ist all unser Leiden entstanden. |
