| Natürlicher, großer Friede |
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Die Lehren des Buddha sind äußerst umfassend. Allein die ‚Worte des Buddha’ füllen über hundert Bände. Darüber hinaus füllen die Kommentare und Abhandlungen der großen indischen Gelehrten noch einmal mehr als zweihundert Bände, all die Werke der großen tibetischen Meister noch nicht mit eingerechnet. Gleichzeitig jedoch lassen sich die Lehren des Buddha auf sehr tiefgründige Weise essentialisieren. Ich erinnere mich, dass mein Meister Dilgo Khyentse Rinpoche sagte: „Die Lehren des Buddha sind sowohl ‚umfassend’ als auch ‚tiefgründig’. Die ‚umfassende‘ Herangehensweise ist die des Gelehrten, des Pandit, und die ‚tiefgründige’ Herangehensweise ist die des Yogi”. Als Buddha selbst gebeten wurde, seine Lehren zusammenzufassen, sagte er: Begehe keine einzige unheilsame Tat, ‚Begehe keine einzige unheilsame Tat’ bedeutet, unheilsame, schädigende und negative Handlungen aufzugeben, die die Ursache des Leids sowohl für uns als auch für andere sind. ‚Sammle einen Schatz an Tugend’ bedeutet, sich die positiven, heilsamen und nutzbringenden Handlungen zu eigen zu machen, die die Ursache des Glücks wiederum für uns und auch für andere sind. Am allerwichtigsten ist es jedoch, ‚diesen unseren Geist zu zähmen’. Tatsächlich sagen die Meister, wie zum Beispiel Nyoshul Khen Rinpoche, oft, dass diese eine Zeile die Essenz der Lehren des Buddha enthält. Denn wenn wir die wahre Natur unseres Geistes erkennen können, dann ist der Sinn und Zweck der Lehren und unserer gesamten Existenz erfüllt. Der Geist ist die Wurzel von allem: der Schöpfer von Glück und der Schöpfer von Leid, der Schöpfer von Samsara und der Schöpfer von Nirvana. In den tibetischen Lehren nennt man den Geist ‚den König, der für alles verantwortlich ist’ – kun je gyalpo – das universelle Ordnungsprinzip. Wie der große Guru Padmasambhava sagte: „Strebe nicht danach, die Wurzel der Phänomene zu durchschneiden, durchschneide die Wurzel des Geistes.” Darum finde ich auch diese Worte des Buddha so inspirierend: „Wir sind, was wir denken, und alles, was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken schaffen wir die Welt. Sprich und handle mit einem reinen Geist, und Glück wird dir folgen.” Würden wir das doch nur im Gedächtnis und im Herzen bewahren und Herz und Geist rein halten, dann würde uns das Glück tatsächlich folgen. Die gesamten Lehren des Buddha sind daher darauf ausgerichtet, diesen Geist zu zähmen und unser Herz und unseren Geist rein zu halten. Es beginnt, wenn wir anfangen, Meditation zu praktizieren. Wir gestatten all unseren aufgewühlten Gedanken und Emotionen, sich ganz ruhig in einen Zustand natürlichen Friedens zu setzen. Wie Nyoshul Khen Rinpoche sagt: Lass ruhen in natürlichem, großem Frieden Wie kommen Gedanken und Emotionen zur Ruhe? Wenn man ein Glas mit schmutzigem Wasser ruhig stehen lässt, ohne es zu bewegen, wird sich der Schmutz auf dem Boden absetzen und die Klarheit des Wassers wird zum Vorschein kommen. Auf gleiche Weise gestatten wir in der Meditation all unseren Gedanken und Emotionen, sich ganz natürlich zu setzen, in einen Zustand natürlicher Gelassenheit. Es gibt einen wundervollen Ausspruch der großen Meister der Vergangenheit. Ich weiß noch, welch eine Offenbarung es für mich war, als ich ihn zum ersten Mal hörte. Denn in diesen zwei Zeilen wird sowohl gezeigt, was die Natur des Geistes ist, als auch, wie man in ihr verbleibt, und das ist ja die Praxis der Meditation. Auf Tibetisch klingt dieser Ausspruch sehr schön, beinahe melodisch: chu ma nyok na dang, sem ma chö na de. Das bedeutet übersetzt in etwa: ‚Wenn man Wasser nicht aufrührt, wird es klar; wenn man den Geist unverändert lässt, findet er seinen eigenen natürlichen Frieden’. Das Besondere an dieser Anweisung ist ihre Betonung der Natürlichkeit und darauf, unseren Geist einfach sein zu lassen, unverändert und ohne irgendwie einzugreifen. Unser wahres Problem ist Manipulation, künstliches Erzeugen und zu viel Denken. Ein Meister pflegte zu sagen, die Wurzelursache all unserer geistigen Probleme sei zu viel Denken. Wie Buddha sagte: „Mit unseren Gedanken schaffen wir die Welt.” Halten wir unseren Geist jedoch rein und erlauben ihm, ganz still im natürlichen Zustand zu ruhen, dann geschieht im Verlauf unserer Praxis etwas ganz Außergewöhnliches. |

